Warum wir das Festnetz noch gut gebrauchen können
Frankfurt. In Onlineforen wird das Thema intensiv diskutiert: Ist das Festnetz heutzutage überhaupt noch nötig – oder kann es weg? Für Sprachtelefonie nutzen es viele Verbraucher ohnehin nicht mehr. Und der Mobilfunk bietet mittlerweile Übertragungsgeschwindigkeiten für Daten, die zumindest in großen Städten mit DSL locker mithalten können.
Doch eine Marktanalyse des Vergleichsportals Verivox zeigt: Wer auf den festen Anschluss verzichtet, zahlt oft drauf und muss einige zusätzliche Nachteile hinnehmen.
Laut der Erhebung, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, kostet ein günstiger Festnetzanschluss derzeit während der ersten beiden Jahre rund 18 Euro im Monat. Die aktuell preiswerteste unlimitierte Handy-Flatrate gibt es ebenfalls für etwa 18 Euro. Allerdings liegt hier die maximale Download-Geschwindigkeit bei nur 15 Megabit (Mbit) pro Sekunde. Zwar funktionieren damit zahlreiche Onlinedienste, auch das Streaming von Filmen. 15 Mbit sind aber erheblich weniger als der heutige Festnetzstandard von rund 100 Mbit. Und bei der Übertragung hochaufgelöster bewegter Bilder und anderen Anwendungen muss der Nutzer mit Geruckel rechnen – und schlimmstenfalls einem schwarzen Bildschirm.
WLAN kann Geld sparen
Also höhere mobile Bandbreiten buchen? Dann zahlt der Nutzer laut Verivox mit rund 32 Euro pro Monat fast das Doppelte. „Mobilfunkanschlüsse können feste Internetanschlüsse nur bedingt ersetzen“, sagte Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei dem Vergleichsportal, dem RND. Ähnliches gelte für drahtlose lokale Netze über WLAN oder Wi-Fi.
Das WLAN eines Festnetzanschlusses sei heute oft der digitale Hotspot für den gesamten Haushalt. Alle mobilen Geräte könnten sich dort einklinken, ohne Datenkosten bei den Handytarifen zu verursachen. „Ohne WLAN-Netze würde der mobile Datenbedarf massiv steigen“, erklärt Schamberg.
Mobilfunkanschlüsse können feste Internetanschlüsse nur bedingt ersetzen.
Jörg Schamberg,
Telekommunikationsexperte beim Vergleichsportal Verivox
Häufig sind Smartphone oder Laptop längst nicht mehr die einzigen Geräte, die am Internet hängen. Auch Fernsehapparate, Drucker, Lautsprecher oder Scanner nutzen dafür die lokalen Netzwerke: Ist etwa der Fernseher nicht mit dem Netz verbunden, können weder Filme noch Musik gestreamt werden. Die Geräte lassen sich auch über HDMI-Kabel, einen Hotspot via Smartphone oder einen mobilen Router koppeln – dabei handelt es sich aber eher um eine Notlösung, wenn es beim Festnetz hapert, weil das umständlich ist und weitere Kosten verursachen kann.
Nicht nur das Streaming, auch das Hochladen von Videos und anderen großen Dateien verbrauche viel Datenvolumen, betont Schamberg. Im Handynetz können dadurch ohne Flatrate hohe Zusatzkosten entstehen, die durchaus dreistellige Euro-Summen erreichen. Umgekehrt gilt: Wer sich bei jeder Gelegenheit in ein verfügbares WLAN eingeloggt, braucht nur ein relativ kleines mobiles Datenbudget. „So können mit einem festen Internetanschluss oft alle Handytarife eines Haushalts geringer dimensioniert werden“, erklärt der Verivox-Experte.
Ohne echte Flatrate
Anders als bei der überwiegenden Zahl der festen Internetanschlüsse werden zudem die Geschwindigkeiten von Handytarifen ohne echte Flatrate – das gilt für mehr als 90 Prozent der Verträge – beim Erreichen des gebuchten Datenvolumens stark gedrosselt. Das betrifft auch Tarife mit Routern, die am Mobilfunknetz hängen – wie dem GigaCube (Vodafone) oder der Speedbox (Deutsche Telekom). Solche Angebote eignen sich eigentlich nur für die Nutzung in der Gartenhütte oder beim Camping.
Wichtig zu wissen: Es gibt beim Festnetz jedoch oft große Preisunterschiede zwischen den ersten 24 Monaten und dem Zeitraum danach. Häufig erhöhen sich die monatlichen Kosten nach zwei Jahren um 30 oder 40 Prozent – meist wegen auslaufender Rabatte und Boni. Deshalb sollten Nutzer nach dem Ablauf der 24 Monate in jedem Fall einen Wechsel prüfen, zumal bei DSL-, Kabel- und Glasfasertarifen viel in Bewegung ist.