Schlachthofschließung

Niederländischer Fleischkonzern Vion erwägt Verkauf seiner Deutschland-Standorte

Da die Deutschen immer weniger Fleisch essen, sinkt auch der Umsatz mit dem Produkt. Das merkt auch der niederländische Fleischkonzern Vion und denkt über eine Schließung seiner Standorte in Deutschland nach.

Berlin. Ende Juni ist in Bamberg Schluss. Dann wird der dortige Schlachthof geschlossen. Er trage sich wirtschaftlich unter den gegebenen Umständen nicht mehr, sagte Oberbürgermeister Andreas Starke – die Stadt ist alleinige Gesellschafterin – laut Mitteilung.

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Das Beispiel Bamberg ist kein Einzelfall. Die deutsche Fleischindustrie befindet sich im Umbruch, die Produktion geht zurück. Wurden im Jahr 2016 noch 8,25 Millionen Tonnen Fleisch produziert, waren es 2023 noch 6,8 Millionen Tonnen Fleisch.

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Niederländischer Fleischkonzern Vion hat noch elf Standorte in Deutschland

Viele Schlachthöfe sind nicht ausgelastet, fahren ihre Produktion herunter oder schließen ganz. Andere stehen wiederum zum Verkauf. Anfang des Jahres trennte sich der niederländische Fleischkonzern Vion von Betrieben im Norden und Osten Deutschlands, im thüringischen Altenburg übernahm der deutsche Marktführer Tönnies. Dabei soll es allerdings nicht bleiben: Vion stellt sein Deutschland-Geschäft insgesamt auf den Prüfstand.

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Man habe beschlossen, sich stärker „auf die nachhaltigen, integrierten Lieferketten in den Benelux-Ländern zu konzentrieren“, hieß es in einer Mitteilung. Daher führe das Unternehmen eine formale Überprüfung seines Deutschland-Geschäfts durch. Dabei erwäge man auch einen Verkauf, sagte eine Sprecherin auf RND-Anfrage. Aktuell hat Vion noch elf Standorte in Deutschland und etwa 3000 Beschäftigte. Schließungen seien allerdings nicht geplant.

„Weitere Schließungen würden Markt entspannen“

Für den Branchenexperten Klaus Martin Fischer kommt das nicht überraschend. „Vion hat ja schon einen Rückzug aus Norddeutschland hinter sich“, sagt er. Das Unternehmen habe konsequent auf die angespannte Lage reagiert und eine strategische Neuausrichtung vorgenommen.

„Durch den erfolgreichen Rückzug hatte es eine neue Perspektive.“ Die Idee dahinter sei, sich angesichts des Konsumrückgangs von Fleisch in den wichtigsten Absatzmärken, der eingeschränkten Exporte nach Asien sowie der strukturellen Überkapazitäten der Branche aus unprofitablen Märkten zurückzuziehen und sich von bestehenden Standorten zu trennen.

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Dass der Fokus nun auf den Benelux-Staaten – der Konzern hat seinen Sitz im niederländischen Boxtel – liegen soll, erklärt sich der Berater der Managementberatung RSM Ebner Stolz mit der besseren Ausgangslage dort, wo Vion eine andere Positionierung und Wettbewerbsstruktur habe.

Zwar ist offen, wie es mit den elf Standorten weitergeht. Aber es wäre aus Fischers Sicht konsequent, sollte Vion seine Produktionskapazitäten anpassen und sich weitere finanzielle Spielräume verschaffen. Eine Perspektive für die Betriebe sieht der Experte zwar grundsätzlich gegeben. Aber ob das sinnvoll sei, stehe auf einem anderen Blatt. „Weitere Schließungen von Schlachthöfen würden den Markt entspannen. Es geht nicht darum, möglichst viele Standorte zu erhalten“, sagt er.

Deutsche essen weniger Fleisch

Dass sich der Markt im Umbruch befindet, liegt unter anderem daran, dass die Deutschen immer weniger Fleisch essen. Nach Angaben des Ernährungsministeriums wurden im Jahr 2023 noch durchschnittlich 51,6 Kilo Fleisch pro Kopf gegessen. Das ist ein leichtes Minus im Vergleich zum Vorjahr – und ein kräftiger Rückgang im Vergleich zu den Neunzigerjahren, als es noch rund zehn Kilo mehr waren.

Aber auch das Auslandsgeschäft macht der Industrie zu schaffen: Nach Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verhängte China einen Importstopp für deutsches Schweinefleisch, der noch immer nicht aufgehoben wurde.

Deutsche Fleischwirtschaft muss sich in schwierigem Umfeld behaupten

Nach Angaben des Verbandes der deutschen Fleischwirtschaft (VDF) kommen zudem noch die weiterhin hohen Energie- und Rohstoffpreise sowie die gestiegenen Löhne hinzu. Der VDF klagt außerdem über Überregulierung und Unsicherheit seitens der Politik. Die deutsche Fleischwirtschaft müsse sich in einem dauerhaft schwierigen Umfeld behaupten.

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Experte Fischer glaubt deshalb, dass es noch weitere Veränderungen in der Branche geben wird. Es gebe weiterhin Überkapazitäten. „Was die Konsolidierung in der Branche angeht, sind wir längst noch nicht am Ende“, sagt er. In der Fleisch- und Wurstindustrie würden sich viele Werke mit der Frage beschäftigen, inwieweit Allianzen und Kooperationen eine Möglichkeit seien, Effizienzen zu bündeln und sich erfolgreich für die Zukunft aufzustellen.

Tierschutzbund begrüßt den Trend

Geht es nach dem Tierschutzbund, sieht die Zukunft so aus, dass Tiere, die geschlachtet werden, kurze Transportwege haben. Dass der Fleischkonsum insgesamt zurückgeht, begrüßt der Verband. „Weniger Konsum und weniger Tierhaltung und Schlachtung sind aus Tierschutzsicht natürlich absolut positiv“, sagt Frigga Wirths vom Deutschen Tierschutzbund.

Sollten die Transporte für die Tiere, die weiter gemästet und geschlachtet würden, länger werden, könne das aber auch negative Auswirkungen haben, gibt sie zu bedenken. Das müsse aber auch zwingend nicht der Fall sein, sagt sie: Falls ein größerer Betrieb schließt, könne es auch sein, dass die Tiere dann wieder bei kleineren Betrieben geschlachtet werden. Schließlich sei der ausschlaggebende Faktor der Preis. Wirths plädiert für hofnahe Schlachtungen oder gar Schlachtungen auf dem jeweiligen Hof.