Inflationsrate steuert auf 3 Prozent zu
Hannover. Innerhalb weniger Wochen hat der Iran-Krieg die Inflation in Deutschland deutlich nach oben getrieben. Im März waren die Lebenshaltungskosten 2,7 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Montag nach einer ersten Schätzung mitteilte. Im Februar hatte die Rate noch bei knapp 2 Prozent gelegen, und es war keine große Veränderung erwartet worden – bis am 28. Februar die USA und Israel den Iran angriffen.
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Zur vollständigen AnsichtBisher schlagen sich vor allem die stark gestiegenen Ölpreise nieder, Energie verteuerte sich im März im Schnitt um gut 7 Prozent. „Beim Bezug von Strom und Gas werden die Preise mit einer zeitlichen Verzögerung ansteigen“, schätzte Michael Heise, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters HQ Trust. „In den kommenden Monaten ist daher mit zusätzlichen Belastungen zu rechnen.“
Allerdings scheint sich der Preisauftrieb auch ohne diesen Effekt beschleunigt zu haben. Die sogenannte Kerninflationsrate, bei der die oft heftig schwankenden Preise für Nahrungsmittel und Energie nicht berücksichtigt sind, ist auf 2,5 Prozent gestiegen.
Die Unternehmen geben steigende Kosten zunehmend weiter.
Klaus Wohlrabe,
Ifo-Institut
Laut einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts planen viele weitere Unternehmen Preiserhöhungen. „Der Preisdruck in Deutschland nimmt wieder spürbar zu“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. „Die Unternehmen geben steigende Kosten zunehmend weiter.“
Auch Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim glaubt: „Dieser Anstieg der Inflationsrate ist erst der Anfang.“ Schon vor dem Iran-Krieg sei die Teuerung vor allem bei Dienstleistungen hartnäckig gewesen – jetzt komme der neue Schub hinzu. „Diese Mischung wird die Inflation in Deutschland nun rasch auf drei Prozent und darüber treiben.“ Mit Preissprüngen wie nach dem russischen Überfall auf die Ukraine, als die Rate zeitweise 10 Prozent erreichte, wird aktuell aber nicht gerechnet.
Gefahr eines längeren Krieges
Noch setzen die meisten Prognosen auf einen vergleichsweise kurzen Krieg. Allerdings ist die für Öl- und Gastransporte wichtige Straße von Hormus schon seit vier Wochen nahezu geschlossen, und viele Energieanlagen rund um den Persischen Golf sind beschädigt. „Bleiben die Beschaffungskosten für Öl und Gas in etwa auf den aktuellen Niveaus, ist in den kommenden Monaten nicht mit einer rückläufigen Inflationsrate zu rechnen“, erklärte Heise.
Mit der Zeit dürften die hohen Energiepreise zunehmend auch auf andere Produkte durchschlagen. Zudem werden Produktion und Transport anderer Produkte behindert. Schon jetzt verteuern sich Düngemittel, Aluminium und Grundstoffe für die Kunststoffherstellung.