Übernahme einer kränkelnden Diva

Übernahme von Ita Airways: Die Lufthansa zieht’s gen Süden

Ein Flugzeug von Ita Airways im Landeanflug auf den Flughafen von Zürich.

Frankfurt am Main. Das war mehr als eine Standard-Grußadresse. „Es ist für mich eine große Freude, hier in Rom zu sein. Ich musste darauf eine sehr lange Zeit warten – mehr als drei Jahre“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Montag. Und weiter: „Auch für mich persönlich ist die Tatsache, dass Ita Airways nun endlich zu unserer Gruppe gehört, mehr als nur eine finanzielle Transaktion. Es ist ein Bekenntnis zu Ihrem schönen Land Italien und zur wachsenden italienischen Wirtschaft“, so der Manager, der Italien-Fan ist und auf Sardinien ein Ferienhaus besitzt.

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Früher Flirt mit Italien

Die frühere Alitalia wird nun in die LH-Familie integriert – Vielflieger-Programme und Streckennetze werden verknüpft und Flugpläne aufeinander abgestimmt, die strahlend blauen Flieger docken künftig in Frankfurt und München an denselben Terminals wie die Lufthansa-Jets an. Der Flughafen in Rom wird zum sechsten Drehkreuz des deutschen Konzerns.

Schon Spohrs Vorvorgänger Wolfgang Mayrhuber hatte mit den Italienern geflirtet, letztlich aber die Finger von einer Übernahme gelassen. Grund für das neue Liebäugeln war nicht nur Spohrs Affinität, sondern die bereits große Bedeutung von Italien im Langstrecken­verkehr der Lufthansa. Auf der anderen Seite waren Alitalia und Ita über viele Jahre defizitär unterwegs, mehrfach mussten sie vom italienischen Staat gerettet werden, der schließlich alle Anteile übernahm.

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EU-Kommission verfügt Abgabe von Slots

Spohrs Werben wurde zwar von der italienischen Regierung erwidert, dass sich die Vermählung aber dennoch hinzog, hat viel mit der EU-Kommission zu tun. Die Lufthansa ist bereits Europas umsatzstärkste Flug­gesellschaft, sie hatte vor dem Ita-Deal bereits vier ehemalige staatliche Airlines unter ihre Fittiche genommen.

Brüssel hat deshalb verfügt, dass die Italiener nun unter anderem Start- und Landerechte (Slots) in Rom und Mailand an den Discount­flieger Easyjet abgeben müssen. Schließlich gab es auch noch Streit mit der italienischen Regierung über den Kaufpreis. Vor gut zwei Wochen sicherte sich dann die Lufthansa aber 41 Prozent der Ita-Anteile für 325 Millionen Euro. In zwei weiteren Schritten soll die Airline komplett übernommen werden.

Spohr versprach, dass die neue Tochter – mit derzeit 99 Fliegern und 5000 Beschäftigten – schon in diesem Jahr Gewinne erwirtschaften werde. Der Deal ist strategisch enorm wichtig. Den LH-Chef zieht es ins Ausland, er hat eine stärkere Orientierung insbesondere in Richtung Süden angekündigt, um das Tourismus­geschäft auszubauen. Als Ausgleich für Einbußen bei der Geschäfts­fliegerei. Weitere Übernahmen könnten folgen. So soll Spohr die portugiesische TAP ganz oben auf dem Zettel haben, auch wegen Destinationen in Südamerika.