Was läuft schief beim Revierklub?

Borussia Dortmund und die schier endlose Suche nach Konstanz

Ratlos: Die BVB-Profis Waldemar Anton (von links), Julian Brandt und Emre Can.

„Dieses Durchdecken, dieser Wille, die Bälle zu gewinnen, muss die Benchmark sein. Wir haben in unserer berühmt-berüchtigten Entwicklung Schritte gemacht.“ Mit diesen Worten analysierte Trainer Nuri Sahin den spektakulären 7:1-Erfolg von Borussia Dortmund am vergangenen Dienstag gegen Celtic Glasgow. Seine Hoffnung, dass unerklärliche Auftritte wie beim 1:5 in Stuttgart vor zwei Wochen endlich der Vergangenheit angehören, bekam nach der Gala zusätzlichen Halt. Mit diesem neuen Selbstvertrauen reisten Sahin und Co. am Samstag schließlich zu Union Berlin, um in der Bundesliga daran anzuknüpfen. Das Problem nur: Aus diesen Plänen wurde mal wieder nichts.

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Wie so oft in den vergangenen Jahren ließ der BVB auf ein gutes, ein schlechtes Spiel folgen. Die inzwischen schier endlose Suche nach der nötigen Konstanz scheint sich auch in dieser Saison fortzusetzen. Bezeichnend: Alles, was die Dortmunder noch gegen Celtic auszeichnete, ließen sie gegen Union nun vermissen. Sie ließen sich von der ersten Minute an den Schneid abkaufen, nahmen die Zweikämpfe nicht an und lagen bereits zur Halbzeitpause völlig verdient mit 0:2 zurück. Einen von Nico Schlotterbeck verursachten Foulelfmeter verwandelte Kevin Vogt zur Führung (26.), Yorbe Vertessen legte den zweiten Treffer nach (45.).

Verzweifelt an der Seitenlinie: BVB-Trainer Nuri Sahin.

Nach dem Seitenwechsel steigerte sich der BVB zwar und erzielte in Person von Julian Ryerson immerhin noch das 1:2 (62.), zu mehr reichte es allerdings nicht mehr. Union ließ sich von dem Gegentreffer nicht beeindrucken, verteidigte weiter leidenschaftlich und brachte die knappe Führung letztendlich verdientermaßen über die Zeit. Die Dortmunder Spieler schlichen anschließend mit versteinerter Miene vom Platz, senkten die Köpfe nach unten und wirkten ratlos. Eine Erklärung, warum sie einfach keine Konstanz in ihr Spiel bekommen, hatten sie so kurz nach Abpfiff noch nicht.

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„Erklärung ist schwer, Erklärung müssen wir gucken“, sagte ein konsternierter BVB-Torwart Gregor Kobel am Sky-Mikrofon und fügte noch an: „Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit (wegen der bevorstehenden Länderspielpause, d. Red.), uns das wieder anzugucken, darüber zu reden und auch wieder Lösungen zu finden. Es ist natürlich wieder ein Rückschlag.“ Das waren Sätze, die man aus dem Mund der Dortmunder in der Vergangenheit schon häufiger gehört hat. Geändert hat sich bislang nichts. Aktuell erinnert diese Borussia stark an die vergangene Spielzeit, in der unter Sahins Vorgänger Edin Terzic ähnliche Leistungsschwankungen zu beobachten waren.

Schlechtester Saisonstart seit zehn Jahren

Und auch der neue BVB-Coach scheint noch keinen wirklichen Lösungsansatz für das ewige Problem gefunden haben. Im Gegenteil: Es droht sogar noch verkorkster zu werden als in der Vorsaison. Denn mit zehn Punkten nach nun sechs absolvierten Partien legten die Schwarz-Gelben den schwächsten Bundesliga-Start seit zehn (!) Jahren hin. Vor allem auswärts (ein Punkt aus drei Spielen) könnte es kaum schlechter laufen. Die Mentalitätsfrage, die in den vergangenen Jahren immer mal wieder aufploppte, ist aktuell präsenter denn je. Allein die Tatsache, dass Union am Samstag fast neun Kilometer mehr gelaufen ist, spricht Bände.

„Du musst auf dem Niveau, gerade in dem Stadion, von Anfang an da sein. Die (Union Berlin, d. Red.) definieren sich über Zweikämpfe, über Umschaltmomente und dann kassierst du die Tore, wie wir sie kassiert haben. Das geht nicht“, meinte ein frustrierter Sahin bei Sky und kritisierte damit indirekt wohl auch die Einstellung seiner Mannschaft. Sportdirektor Sebastian Kehl wählte ähnliche Worte: „Wie wir uns teilweise verhalten, das geht einfach nicht. Das wird auch jeder Spieler selber wissen.“ Nun wolle man gemeinsam auf „Ursachenforschung“ gehen, erklärte Sahin – ebenfalls ein Satz, der schon häufiger von BVB-Verantwortlichen zu hören war.

Kann es nun ein Vorteil sein, dass zunächst einmal die Länderspielpause ansteht? Laut Sahin nicht. „Für einen Trainer ist sie immer schlecht, ehrlich gesagt. Weil man seine Mannschaft dabeihaben will, trainieren will, reden will, analysieren will“, stellte er klar. Die Vorbereitung auf die Partie am 18. Oktober gegen Aufsteiger FC St. Pauli muss der Coach ohne seine Nationalspieler angehen und kann dementsprechend nicht so tief in die Analyse gehen, wie er es sich wünschen würde. Trotzdem ist ein Sieg für den BVB in 13 Tagen Pflicht – ansonsten könnte die Stimmung beim so stolzen Traditionsverein endgültig kippen.