Warum die deutschen Basketballfrauen den WM-Start derart vermasselt haben
Der Rahmen war vergoldet für das Auftaktmatch der deutschen Basketball-Nationalmannschaft bei der Heim-WM gegen Spanien: Eine mit 12.550 Personen gut gefüllte Uber-Arena in Berlin, Partystimmung vor und in der Halle, rhythmische Trommeln und ausdauernde Anfeuerungsrufe der Fans. Sogar Bundeskanzler Friedrich Merz sah das Spiel der deutschen Korbjägerinnen in der Halle, mit seinem neuen Sportstaatsminister Ronald Rauhe im Schlepptau.
Nur das Bild innerhalb dieses Rahmens stimmte zumindest aus Sicht der überwiegenden Zahl der Fans und wohl auch von Merz und Rauhe nicht. 53:83 verloren, den Start in das sehnsüchtig erwartete Weltturnier in der Bundeshauptstadt tüchtig vergeigt, die erhoffte Euphoriewelle – erst mal – nicht in Gang gebracht. „Nicht der Start, den wir wollten“, stellte Bundestrainer Olaf Lange kurz und knapp fest.
Es war ein Klassenunterschied, der zwischen den Deutschen um die nach ihren Wadenproblemen gerade so spielfähig gewordene Nyara Sabally und den Spanierinnen um ihre dominierende Centerin und Topscorerin Awa Fam (17 Punkte; Spielerin des Spiels) sowie Distanzschützin Maria Conde (zwölf ihrer 13 Punkte durch Dreier) klaffte.
Die Gründe für die deutsche Auftaktpleite
Die Gründe für die deutsche Auftaktniederlage und laut Bundestrainer Olaf Lange „leichten Wachstumsschmerzen“, die sein Team durchleide:
Die schwache Wurfquote
Unter dem Druck der ablaufenden Wurfuhr warf Lina Sontag den Ball kurz vor Ende der ersten Halbzeit aus ungünstiger Position hinter der Dreipunktelinie in Richtung Korb. Es blieb beim Versuch: Der Ball schaffte es nicht einmal bis zum Ziel, wurde zum sogenannten Airball und damit zu einer der Höchststrafen im Basketball. Sontag musste danach direkt runter vom Feld, nahm wieder auf der Bank Platz. Ihr Luftschuss wirkte wie das Symbol für die offensive Katastrophenvorstellung des noch längst nicht eingespielt wirkenden DBB-Teams.
Nicht einmal ein Viertel der deutschen Wurfversuche war in der ersten Hälfte erfolgreich – ein unterirdischer Wert. Der durch die herausragende Quote der Spanierinnen noch verschärft wurde. Das Team von Trainer Miguel Mendez schaffte mehr als 57 Prozent erfolgreiche Wurfversuche. In Halbzeit zwei glichen sich diese Werte kaum aneinander an (53 Prozent Spanien, 29 Prozent Deutschland), sodass der 24-Punkte-Pausenrückstand auf 30 Punkte anwuchs.
Nur Leonie Fiebich (13) und Sabally (10, bei 14 Versuchen) punkteten zweistellig. Auf spanischer Seite schafften das vier Spielerinnen.
Fehlendes Momentum
Selbst die Spanierinnen konnten nicht alle Würfe treffen. Ja, sie hatten sogar Ende des ersten Viertels eine längere Korbflaute zu verzeichnen. Nutzen konnte das deutsche Team diese Phasen jedoch nicht, sodass der Rückstand immer größer wurde.
Auch als das Team von Bundestrainer Olaf Lange nach der Halbzeitpause mit neuer Energie loslegte und ein paar Körbe in Folge verbuchte, schafften es die cleveren Spanierinnen, das Spiel zu verzögern und (Offensiv-)Fouls zu ziehen. Die neue deutsche Energie verpuffte.
Überforderte Verteidigung
Ihre starke Wurfquote erspielten sich die Spanierinnen im wahrsten Sinne des Wortes selbst. Ihre schnellen Passstafetten in den Bereich unter den deutschen Korb und wieder hinaus stellten die deutschen Verteidigerinnen vor Probleme, die sie in diesem WM-Spiel nicht lösen konnten. So erschufen sich die Spanierinnen immer wieder Abschlusspositionen ohne oder fast ohne Gegendruck. Ihre überragende Quote von 50 Prozent bei Dreipunktewürfen tat das Übrige.
Den direkten Einzug ins Viertelfinale, für den Gruppenplatz eins berechtigt, muss das deutsche Team wohl abschreiben nach der Auftaktniederlage. Für die Qualifikation für die Play-Ins reichen jedoch die Gruppenplätze zwei und drei. Ein Sieg an diesem Samstag gegen Japan (18 Uhr, ProSieben Maxx und Magenta TV) könnte dafür genügen. Fiebichs Masterplan für die verbleibenden Stunden: „Regenerieren, schlafen, essen – dann voller Fokus auf Japan.“