Nutzer nicht ausreichend geschützt

Gefangen im Sog der Videos: EU-Kommission droht TikTok mit Milliardenstrafe

TikToks Videosog: EU-Kommission sieht Nutzer nicht ausreichend geschützt.

Brüssel. Die beliebte Social-Media-App TikTok verstößt nach Auffassung der EU-Kommission gegen europäisches Recht. Die Behörde wirft dem chinesischen Unternehmen ByteDance vor, Nutzer mit einem ununterbrochenen Strom personalisierter Videos an die Plattform zu binden. „Jedes Mal, wenn ein Nutzer auf TikTok durch ein Video scrollt oder es mit ‚Gefällt mir‘ markiert, liefert der Algorithmus mehr davon und zieht die Nutzer so in einen Sog hinein, aus dem sie nicht ohne Weiteres wieder herauskommen“, sagt EU-Kommissarin Henna Virkkunen. Dies ist auch als „Rabbit Hole“-Effekt bekannt. TikTok müsse mehr unternehmen, um das Wohlergehen seiner Nutzer besser zu schützen, so Virkkunen.

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Besonders kritisch sieht die EU-Kommission, dass Nutzer auf TikTok in einen Sog aus Videos über psychische Probleme geraten können. Die endlose Konfrontation mit Inhalten über Traurigkeit und Ängste, Isolation und Einsamkeit berge gesundheitliche Risiken. Ein ohnehin geringes Selbstwertgefühl könne weiter sinken, bestehende Essstörungen und psychische Erkrankungen könnten sich verschlimmern. Zwar können Nutzer bei einzelnen Videos den Button „Kein Interesse“ anklicken, doch anschließend würden weiter bedenkliche Videos angezeigt werden, so die Kommission. Die von TikTok bislang ergriffenen Maßnahmen seien nicht wirksam, lautet die vorläufige Einschätzung der Behörde in Brüssel.

Das Unternehmen reagierte zunächst nicht.

Warum zeigt TikTok einer 14-Jährigen nach einem Diätrezept Magersuchtvideos? Weil jede Minute Bildschirmzeit Geld bringt.

Alexandra Geese (Grüne),

EU-Abgeordnete

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„Warum zeigt TikTok einer 14-Jährigen nach einem Diätrezept Magersuchtvideos? Weil jede Minute Bildschirmzeit Geld bringt“, kritisiert EU-Digitalpolitikerin Alexandra Geese (Grüne). Dasselbe Prinzip treibe auch die politische Radikalisierung an, warnte sie gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die Lösung liegt auf der Hand: Dieser Algorithmus muss weg, damit Menschen wieder freie Wahl haben.“

TikTok hat nun die Gelegenheit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Kann das Unternehmen die Kritikpunkte nicht ausräumen, droht ihm eine Geldbuße von bis zu 6 Prozent seines weltweiten Jahresumsatzes.

Die EU-Kommission führt derzeit mehrere Verfahren gegen TikTok. Anfang des Jahres kritisierte die Behörde ein süchtig machendes App-Design mit endlosem Scrollen und automatischem Abspielen von Videos. Im Sommer beanstandete sie einen unzureichenden Jugendschutz. Beide Verfahren sind noch nicht abgeschlossen – in beiden Fällen kann die Kommission noch eine Geldbuße verhängen. Ein anderes Verfahren endete dagegen im vergangenen Jahr mit einer Einigung, ohne dass eine Geldbuße verhängt wurde: Im Dezember 2025 akzeptierte die EU-Kommission Zusagen von TikTok, die Transparenz von Werbung auf der Plattform zu verbessern.